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GIFTGRÜNES auf der Koppel - nicht alles was grün ist, ist für Pferde auch gesund..

Pferde haben für Giftpflanzen leider keinen siebten Sinn. Vor allem nach dem Winter oder auf abgefressenen Wiesen sind sie gierig auf alles Grüne. Deshalb muss der Mensch die Augen offen halten. Anbei eine Auswahl von Pfanzen, auf die man auf der Koppel unbedingt achten sollte.


grün


Beereneibe – Eine der giftigsten Pflanzen für Pferde, lateinisch „Taxus baccata“. In der Natur kommt sie bei uns selten vor und steht unter Schutz. Angepflanzt in Gärten oder Parks als immergrüne Hecke kommt sie dagegen häufig vor – also auch in der Nachbarschaft von Pferdekoppeln. Die Eibe hat im späten Frühjahr recht unscheinbare Blüten. Im Herbst trägt sie rote Früchte (keine Blüten),  beim Zerdrücken zeigt die schleimige Beere einen grünen/schwärzlichen Kern. Nichtsdestotrotz sind fast alle Pflanzenteile hochgiftig. Das Fruchtfleisch ist das einzige ungiftige an der gesamten Pflanze. Nur 100 bis 200 Gramm, das ist ein kleiner Zweig, sind tödlich für ein Pferd, das dann innerhalb weniger Minuten sterben kann.


Robinie – Die „Robinia pseudacacia“ ist ein dorniger Baum und trägt weiße Blütentrauben. Wie der Goldregen bildet die Robinie Schoten mit Samen aus. Sie kommt vor allem in Gärten und Parks vor, aber auch angepflanzt im Wald. Besonders giftig sind Zweige und Rinde. 150 Gramm davon können zu Herz- und Nierenversagen mit Todesfolge führen. Schon das Anbinden des Pferdes an einer Robinie kann für ein Pferd tödlich enden, wenn dieses an der Rinde knabbert.


Anmerkung:

Sind Robinienpfosten im Weidezaun giftig?

Robinie wird seit Jahrzehnten erfolgreich im Zaunbau bzw. überall dort eingesetzt, wo extrem dauerhaftes Material auch ohne Imprägnierung gefordert wird. Es ist das dauerhafteste und robusteste einheimische Holz. Nach DIN 68364 ist es die einzige europäische Holzart der Resistenzklasse 1, während es bei den tropischen Harthölzern mehrere Arten gibt, die diese Resistenz aufweisen. Immer wieder ist zu hören, dass die Robinie giftig sei. Dies ist nur zum Teil richtig. Erstens steht die Robinie nicht auf der offiziellen Liste giftiger Pflanzenarten des Bundesministeriums für Umwelt. Zweitens betrifft die Giftigkeit vor allem die Rinde, deren Inhaltsstoffe Robin und Phasin eine gefährliche Wirkung haben. Nebenbei bemerkt enthalten Gartenbohnen mehr Phasin als die Robinie.
Alle anderen Pflanzenteile sind weit weniger giftig. Bei den eingezäunten Nutztieren besteht eine erhöhte Empfindlichkeit nur bei Pferden. Dennoch sind bei der Verwendung von Robinie im Zaunbau keine Vergiftungserscheinungen bei Tieren bekannt. Riskant wird es, wenn die Robinie direkt auf der Weide wächst bzw. nicht entrindete, frische Robinien-Pfähle verwendet werden und die Tiere direkten Zugang haben.

Bei PATURA kommen ausschließlich entrindete Pfosten zum Einsatz. Für höchste Sicherheit bieten wir, speziell auch für Pferde, zusätzlich gehobelte bzw. geschliffene Pfähle an, die auch keine Reste von Rinde enthalten können. Geschnittene Pfähle sind von Haus aus frei von Rinde. Des Weiteren setzt PATURA die Robinienpfähle nur in Kombination mit Elektrozäunen ein. Bei funktionierenden Elektrozäunen ist es nahezu ausgeschlossen, dass die Tiere die Pfähle anknabbern. Folglich besteht durch Robinienpfosten, die bei PATURA Elektro-Einzäunungen zum Einsatz kommen, keine Gefahr von Vergiftungen für Pferde und andere Tierarten.


Goldregen – „Lateinisch Laburnum anagyroides“, kommt häufig in Gärten vor. Etwa 250 Gramm der Samen sind tödlich für Pferde. Blätter und Blüten sind ebenfalls giftig, aber mit geringerer Giftmenge. Wenn der Strauch im Mai blüht, erkennt man ihn leicht an den goldgelben Blütentrauben. Die Blätter ähneln denen eines großen Kleeblattes. Die Samen liegen in erbsenartigen Schoten, können im Herbst durch Wind auf Pferdeweiden geweht werden und behalten lange ihre Giftwirkung.


Herbstzeitlose – Die „Colchicum autumnale“ hat tulpenartige Blätter. Die stark giftige Pflanze blüht im Herbst auf feuchteren Wiesen ähnlich einer zartvioletten Krokusblüte. Im Frühjahr erscheinen zwei ledrige Blätter mit grüner Fruchtkapsel. Obgleich mit etwa 1,2 Kilogramm der Frischpflanze die tödliche Menge eher
hoch ist, gibt es Todesfälle durch Kreislaufversagen.
Die Blätter der Pflanze vergilben etwa im Juni – gelangen sie vor dem Verwelken ins Heu, verlieren sie beim Trocknen ihren für Pferde ekligen Geschmack, doch bleiben die Giftstoffe erhalten. Eine Vergiftung durch Heu mit Herbstzeitlosen ist damit deutlich wahrscheinlicher als durch Aufnahme der frischen Blätter. Eine Ausrottung ist schwierig, weil die Zwiebelpflanze etwa 20 Zentimeter tief im Boden steckt. Mit viel Geduld kann man Blätter und Blüten beim Erscheinen ausreißen und damit die Zwiebeln der Pflanzen allmählich aushungern. Tragen Sie dabei Handschuhe – das Gift geht durch die Haut.


Pfaffenhütchen – „Euonymus europaeus“ erkennt man an den leuchtend orange-violette „Früchte“ im Herbst. Pfaffenhütchen sind übrigens als Windschutzhecken beliebt. Im Frühjahr hat der Strauch unscheinbare, weiße Blüten. Als tödliche Menge gelten für ein Pferd 700 bis 900 Gramm.


Roter Fingerhut – „Digitalis pupurea“ wächst in Waldnähe, blüht aber erst im zweiten Jahr. Der Pferdehalter sollte ihn daher auch an der Blattrosette erkennen können. Manchmal stehen noch verholzte Blütenstengel in der Nähe, als Hinweis auf das Vorkommen. Etwa 100 bis 200 Gramm der Frischpflanze können zum Herzstillstand führen.


JakobskreuzkrautDie Ausbreitung stellt eine ernste Gefahr dar, da das Jakobskreuzkraut als Giftpflanze nicht verfüttert werden sollte. Seine Giftigkeit beruht auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide, die zu chronischen Lebervergiftungen führen. Die Gefahr ist deshalb nicht zu unterschätzen, da die Auswirkungen der Vergiftung kumulativ sind und dadurch chronischen Erkrankungen auftreten können, wobei insbesondere Pferde, aber auch Rinder offensichtlich empfindlicher reagieren als Schafe und Ziegen, siehe Tabelle 2. Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an und führen dann zu den chronischen Krankheitsprozessen. Die Pflanze ist nicht nur im frischen Zustand giftig, die Alkaloide werden auch nach Heu- und Silagebereitung nicht abgebaut. Die Gefahr ist erheblich, wenn man sich vor Augen führt, dass ein einzelner ausgewachsener Trieb im Mittel etwa 70 g wiegt. Die im Foto gezeigten 15 Triebe wiegen zusammen bereits 1 000 g. Wird einer 700 kg schweren Kuh diese Menge einhundert Mal angeboten, ist bereits die tödliche Dosis erreicht. Jegliche Verfütterung sollte daher konsequent vermieden werden, denn erste Schäden sind bei einem chronischen Krankheitsgeschehen bereits nach Aufnahme erheblich geringerer Futtermengen zu erwarten.


Rainfarn - Auch bekannt als Wurmfarn oder Wurmkraut wurde diese Pflanze früher bei Pferden gegen Würmer verwendet. Dies war allerdings stets mit hohen Nebenwirkungen verbunden, da diese Pflanze giftige Substanzen beinhaltet. Daher sollte jeder Gebrauch mit Rainfarn vermieden werden. Rainfarn zählt zu der Familie der Korbblütler und seine Blüten verleihen dieser Pflanze ein unverwechselbares Aussehen: die dunkelgelben Blüten bestehen nur aus Röhrenblüten und erinnern daher an kleine Knöpfe. Die Blätter haben hierbei die Form einer Farne, was  dieser Pflanze letztendlich auch ihren Namen verlieh. Von der ursprünglichen Verwendung des Rainfarn als Mittel gegen Würmer bei Pferden wird seit vielen Jahren dringend abgeraten. Längst ist bekannt, dass der Rainfarn starke Nebenwirkungen hat und bei zu hoher Dosis giftig ist. Daher gibt es zahlreiche Substitute, die als Wurmkur verwendet werden können. Der bloße Hautkontakt kann hierbei zu allergischen Reaktionen führen. Weitere Symptome einer Tiervergiftung sind Schleimhautreizungen, Benommenheit und Taumeln, sowie Schädigungen der Leber und Niere. Einige Pferde meiden den Rainfarn ganz automatisch, weil sie ebenfalls durch den Eigenduft abgestoßen werden.


Wenn Sie Ihr Pferd beim Fressen von Giftpflanzen erwischen, ziehen Sie die Pflanzenreste aus dem Maul. Der Tierarzt weiß dann, welches Gegenmittel er braucht. Ein Tierarzt muss sofort kommen, wenn eine Vergiftung mit Eibe oder Robinie in Verdacht ist. Jede Minute zählt. Schwierig wird es, wenn keine Pflanzenreste zu finden sind. Aufgrund der Symptome auf eine Vergiftung durch Pflanzen zu schließen, ist heikel, weil sich Vergiftungserscheinungen beim Pferd durch vielfältige und teils gegensätzliche Körperreaktionen äußern können: stark beschleunigter Puls oder Herzstillstand. Beim Verdacht auf eine Vergiftung sollte das Pferd möglichst Ruhe und Wasser haben. Da Koliksymptome, Krämpfe und Lähmungserscheinungen typisch sind, sollte das Pferd in eine große, gut  eingestreute Box gebracht und beobachtet werden. Es darf nichts fressen.

 

Quelle (Silke Dehe, Reiter Revue 4/2007)


Wichtig: LINK zur Giftpflanzen-Datenbank der Universität Zürich (klicken Sie auf das Tierarztsymbol)



14.02.2016 16:35
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